HCL hat vor einem Jahr eine Reihe von Software-Lösungen von IBM übernommen und investiert seitdem in alle Produkte nicht nur viel Geld, sondern auch Elan und neue Ideen. Dazu gehört nun auch wieder das Thema E-Mail, das ja am Markt durch eine quasi-Monopolsituation jeglichen Drive für Neuerungen verloren zu haben schien. Nun kommt HCL mit Verse 2.0.
Ist es im Bereich E-Mail wirklich so: Der schlechtere hat gewonnen? So wie einst bei VHS gegen Betamax? Ist es wirklich so, dass alle Outlook haben wollen? Oder sind es nur diejenigen, die die anderen Lösungen gar nicht kennen? Kann es wirklich sein, dass einem die umständlich langen Mausbewegungen im Outlook Rich Client egal sind? Oder, dass bei Outlook-Online das immer wieder notwendige Hin- und Herwechseln zwischen Kalender und Mail als produktiv empfunden wird? Natürlich kann man damit arbeiten, aber dass das nun eine auch nur halbwegs perfekte Lösung für Mail und Kalender wäre … Aus eigener Erfahrung muss ich sagen: weit gefehlt!
IBM hatte vor grob 5 Jahren damit begonnen eine neue Alternative zu entwickeln, damals IBM Verse 1.0 genannt, dabei aber die Marketingmaschine des Marktbegleiters unterschätzt. Nachdem sich der Erfolg des eigentlich sehr guten Konzepts nicht zeitnah einstellen wollte, verlor IBM damals – aus meiner Sicht – zu früh den Elan bei der Weiterentwicklung. Als HCL die Collaboration-Lösungspakete vor einem Jahr von IBM übernahm, lag der neue Investitionsfokus bei der Domino-Familie zunächst einmal bei der Basistechnologie und dem Domino-Kernthema Anwendungsentwicklung, das seitdem mit dem Appdev Pack (für Pro-Coder) und dem neuen Domino Volt (für Low Coder) grandiose Schritte gemacht hat.
Nun ist es Zeit sich auch der größten Anwendung unter Domino hinzuwenden – dem Thema E-Mail. Das hat zwei Facetten, nämlich den Rich Client (HCL Notes) und den Browser Client (HCL Verse). Tendenziell möchte HCL im gesamten Bereich der Domino Familie in Richtung Continuous Delivery marschieren, also fortlaufender Auslieferung von neuen Dingen statt grob einmal im Jahr ein sogenanntes „Major Release“ zu bringen. Da man aber Rich Clients in den nutzenden Unternehmen nicht fortlaufend ausliefern und installieren kann, bedarf es eines strategischen Schwenks in Richtung Browser-basierter Technologien. Die Grundlagen für Anwendungen sind im mobilen Sektor mit Nomad bereits gelegt. Nomad als Technologie wird jetzt im zweiten Halbjahr auch auf Desktops und Laptops erweitert – zunächst mit einer Beta. Um dann etwas Vergleichbares zum Notes Rich Client mit Browser-Technologie zu haben, fehlt nur noch das Thema E-Mail – und natürlich Sametime für Chat, aber auch das ist bereits in Arbeit. Im Zeitrahmen von Domino V 12 (1H 2021), werden wir also Lösungen für Anwendungen, E-Mail und Chat im Browser haben, die dann Dank Progressive Web Applications (PWA), eine Technologie, die ursprünglich von Google stammt, auch als einzelne Clients zur Verfügung stehen werden. Grundsätzlich ist die Idee diese später noch zu einem einzigen PWA-Client zu vereinheitlichen. Das würde dann weitgehend einem Notes Client der nächsten Generation entsprechen, allerdings auf Basis von modernster Browsertechnologie! (Jetzt nicht falsch verstehen: HCL entwickelt auch den Notes Client weiter. Aber er bekommt eine starke Alternative auf technologisch neuerer Basis.)
Damit sich das alles so zusammenfügen kann, hat HCL Technologies ein neues Entwicklungsteam für HCL Verse zusammengestellt und legt damit wieder deutlich mehr Fokus auf das Thema E-Mail. Deren Neuanfang repräsentiert im ersten Schritt das von der neuen Produktmanagerin Agnes Ng in der letzten Woche vorgestellte Verse 2.0.
Grundsätzlich ist Verse ja als Client von Grund auf neu designed gewesen – und so die wahrscheinlich modernste Lösung am Markt – , setzt dabei aber auf die herausragend-sichere und günstig zu betreibende Domino-Plattform auf. Man hatte sich Kritik an Notes und Outlook zu Herzen genommen und überlegt, wie man E-Mails besser, u.a. mit kurzen Mausbewegungen und möglichst wenigen Klicks, bearbeiten kann? Daraus sind mehrere Konzepte entstanden. Ein sehr wichtiges ist die Integration des Tageskalenders in die E-Mail-Übersicht, sodass man beim Nachschlagen eines Termins keinen Seitenwechsel auf sich nehmen muss. Das zweite Konzept war, dass man anhand der Bilder von Personen, mit denen man oft E-Mails austauscht (die „wichtig für mich“-Leiste, die aufgrund von KI-Funktionen immer wieder neu arrangiert wird), schnell sehen kann, ob von diesen besonderen Personen etwas Neues gekommen ist oder auch einfach – durch einen einzigen Klick – nach Inhalten von denen suchen kann, beziehungsweise direkt einen Chat aufnehmen kann. Das dritte ist Mail-Inhalte für die Wiedervorlage geschickt und einfach vormerken zu können („Smart Reminder“). Und das vierte sind APIs zur Integration von anderen Dingen in die Inbox beziehungsweise in den Editor. Und Nummer 5 ist das Offline-Nehmen von Mails – natürlich verschlüsselt! Das ist ein moderner Mail-Client, der allen anderen an vielen Stellen überlegen ist. Da haben die Designer gute Arbeit gemacht!
Nun hat ein neues Entwicklungsteam bei HCL die Arbeit an Verse aufgenommen und startet frisch mit der Version 2.0. In der ist u.a. folgendes neu:
Auf den Geschmack gekommen? Seit kurzem gibt es über die vielen HCL-Partner oder auch HCL direkt die Möglichkeit die Produkte der Domino-Familie – und dazu gehört auch Verse – für 30 Tage oder ggf. auch länger kostenfrei auszuprobieren. Das wäre doch mal was – oder?
Und für Kunden, die Notes und iNotes im Einsatz haben, ist es noch einfacher: die müssen Verse im Prinzip nur anschalten. Minimaler Aufwand und keine extra-Kosten. Natürlich sollte der Domino Server dazu auf dem aktuellen Release sein. Aber das ist ja sowieso selbstverständlich.
Ich hoffe, dass das ein paar interessante Anregungen für Sie waren und wünsche Ihnen hiermit noch ein sommerliches Restwochenende. Und bleiben Sie gesund, was auch heißt: riskieren sie nicht zu viel!
Ihr
Tom Zeizel
Associate Vice President & Head of HCL Software in DACH
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