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DNUG Inside

HELMUT SPROLL IM INTERVIEW

Helmut Sproll ist Managing Director bei der CROSS-WORKS AG und seit kurzem Teil des Vorstands der DNUG als sogenannter Praktikant. Im Rahmen der DNUG Inside hat er uns ein Interview gegeben und unter anderem über sein Engagement in der SNoUG, seine Vereinbarkeit von Berufs- & Privatleben und einige Insights gesprochen.

Helmut, du bist Managing Director bei der CROSS-WORKS AG und seit kurzem Teil des Vorstands der DNUG als sogenannter Praktikant. Jetzt interessiert uns natürlich deine Person und dein Werdegang. Wer bist du und welchen Tätigkeiten gehst du außerhalb der DNUG nach?

Ich bin in einem kleinen Dorf zwischen Ravensburg und Ulm auf die Welt gekommen und aufgewachsen. Dort habe ich auch meine Lehre gemacht. Heute würde man zu der Ausbildung Maschinenmechanik sagen. Ich habe über den zweiten Bildungsweg die Fachhochschulreife in Biberach an der Riß erlangt. Danach bin ich nach Konstanz gezogen, habe an der Fachhochschule Maschinenbau studiert. Ich habe in der Stadt mit meiner jetzigen Frau zusammengewohnt und dann meine Diplomarbeit in der Schweiz geschrieben. Das habe ich aus dem Grund nicht in Deutschland gemacht, weil man damals für sechs Monate arbeiten in Deutschland 1.000 D-Mark erhielt und damit kann man nicht leben. In der Schweiz aber konnte man früher für eine Diplomarbeit 2.000 bis 3.000 Franken pro Monat bekommen, was wirklich in Ordnung ist. So bin ich in die Schweiz gekommen und hängen geblieben. Ich habe in der Zeit bei einer Unilever Gesellschaft in der Schweiz gearbeitet und die haben mich auch direkt nach dem Studium eingestellt. Dort bin ich insgesamt sechs Jahre gewesen und habe vor Ort die Computerwelt kennen gelernt. Als ich dort beschäftigt war, ist die E-Mail aufgekommen und das Netzwerk wurde eingeführt. Ich bin damals im CAD (Computer Aided Design) Bereich tätig gewesen und habe für meinen Arbeitgeber aber dann auch den E-Mail-Service eingeführt. Im Rahmen dieses konzernweiten Projekts sind in 12 Monaten rund 100.000 Benutzer weltweit in das System integriert worden. Irgendwann war das Projekt aber dann zu Ende und es hat mir bei der Gesellschaft eigentlich nicht mehr so ganz gepasst.

Doch dann habe ich ein spannendes Projekt bekommen, was mich nochmal zurück zu meiner Maschinenbau-Ausbildung geführt hat. Es sollte ein Teil der Produktion aus der Schweiz nach China verlagert werden. Dabei ging es um Staubsauger für Hotels, Möbelhäuser und so weiter. Für Europa sollte dann ein neues Modell her und mein Auftrag war es, die Produktion des bisherigen Modells nach China zu verlagern. Daran habe 12 Monate gearbeitet und war insgesamt für vier Monate in China. In dem Land habe ich alles kennengelernt, was man so lernen kann: Draußen in der „Prärie“ gab es jeden Abend exotisches Essen, wir schliefen in der Firma, kein Mensch um mich herum sprach Deutsch, nur ein paar wenige sprachen Englisch und lauter solche Dinge. Nach den 12 Monaten konnte das Projekt abgeschlossen werden und danach habe ich Unilever auch verlassen. Ich bin anschließend zu einer in der Schweiz gut bekannten Firma namens Sulzer in Winterthur gewechselt. Meine Funktionen sind dort sehr ähnlich gewesen und ich sollte damals die globale Notes Plattform einführen. Ich „musste“ in dieser Zeit viel reisen; wir hatten rund 120 Büros in fast ebenso vielen Ländern, welche ich mehrfach besucht habe. Im Rahmen einer strategischen Neu-Ausrichtung des Konzerns spaltete man dann aber verschiedene Bereiche ab, und viele meiner internen Kunden wurden verkauft. Diejenigen, die blieben entschieden sich für die Microsoft Plattform.

Ich habe nach ungefähr sechs Jahren dann bei einer Firma angefangen, die heute unter dem Namen SoftwareOne bekannt ist, ein Lizenz-Großhändler. Ich kannte den Gründer von damals als das Unternehmen noch Software Pipeline hieß. Damals sind das vielleicht 15 Leute gewesen und heute sind es etwa 5.000. Es ist also enorm gewachsen. Mit meinem Team, einem Büro in Singapur und einem in New York habe ich dann dort gearbeitet und für Sulzer noch zwei Jahre die Notes Infrastruktur betrieben, solange sie eben noch gebraucht wurde.

Dann kam der Gedanke der Selbstständigkeit bei mir auf, der mich schon immer irgendwie gereizt hat und so habe ich mich mit zwei Kollegen selbständig gemacht. Wir gründeten die Firma CROSS-WORKS und haben noch die Restbestände von Sulzer mit in die neue Firma eingebracht. CROSS-WORKS hat die ersten Jahre nichts anderes gemacht als Notes Infrastrukturen zu betreiben, vorwiegend mit Systemen im Ausland. Weil wir alles Remote machen konnten, sind wir weniger gereist. Wir haben entschieden, unser Büro in Winterthur anzusiedeln, da es der Mittelpunkt von uns drei Gründern war.

Die zwei Mitgründer haben sich über die Jahre verabschiedet, aber wir sind dennoch gewachsen. Das Team besteht heute aus elf Leuten. Ich bin der alleinige Inhaber, Geschäftsführer und sozusagen „Mädchen für alles“. Unilever hat mir damals ermöglicht in die Schweiz zu kommen und im Rahmen eines Management Programms durfte ich auch meine heutige Frau mitnehmen. Seit 25 Jahren wohnen wir jetzt schon in der Schweiz und vor ein paar Jahren konnten wir die Schweizer Staatsbürgerschaft annehmen. Ich habe also zwei Pässe und wenn ich mit dem Flieger reise, schaue ich wo die Schlange kürzer ist und stelle ich mich mit dem entsprechenden Ausweis in der Schlange an.

Kurz zu meinem Privatleben: Verheiratet bin ich nach wie vor mit der gleichen Frau, wir haben zwei erwachsene Kinder und ein Eigenheim. Das ist mein halbes bzw. mein ganzes Berufsleben. Ich hatte schon immer sehr wenig Zeit für anderes und ja, ich bin schon ein kleiner Workaholic und mag es, wenn sich Dinge bewegen. Ich kann es nicht leiden, wenn sich nichts bewegt. Das ist nicht mein Ding. Ein paar Jahre lang bin ich regelmäßig zwei bis dreimal die Woche mit einem Nachbarn joggen gegangen. Aber das ist die letzten Jahre leider eingeschlafen. Gleichwohl esse ich nach wie vor sehr gerne sehr gut, trinke auch gerne guten Rotwein und das sieht man dann auf der Waage. Da muss ich wirklich wieder dran arbeiten.

Was war denn dein China Highlight? Was wirst du niemals vergessen?

Als ich damals dort angekommen bin, habe ich eine leere Halle vorgefunden und musste eine Produktion aufbauen. Da fängt man mit kleinen Dingen an, wie Werkbänke kaufen, sie werden aufgestellt und die Mitarbeiter werden angelernt. Es war spannend von Grund auf alles zu machen, ganz „hands on“ sozusagen.

Dann das Zweite, was mich immer beeindruckt hat, ist dass es in dem Ort keine Vögel gab. Das ist mir immer erst im Nachhinein aufgefallen, wenn ich wieder zu Hause angekommen bin. Ich bin immer nach Hongkong geflogen und von da aus ca. zwei Stunden mit einer Fähre in die Stadt Zhongshan gefahren. Die Fabrik selbst war in einem Vorort von Zhongshan und da gab es keine Vögel, weil man die Insekten mit Insektenvernichtungsmittel vergiftet hatte. Daraufhin haben die Vögel diese gefressen und sind auch gestorben. Dann kommst du zurück in die Schweiz und hier gibt es Vögel, Bienen und so weiter.

Dann gibt es natürlich auch noch das chinesische Essen: Die Chinesen machen sich da einen Spaß draus, denn jeden Abend besucht man ein Restaurant und dort sucht man sich selber den Fisch aus, welcher dann für dich geschlachtet wird. Das ist bei allen Tieren so und du musst solange mitmachen, bis der erste Chinese kneift, denn erst dann hast du gewonnen. Aber ich war immer schon neugierig und habe also alles versucht.

Die SNoUG ist vielleicht nicht jedem unserer Leser*innen ein Begriff. Was genau macht ihr in der Community und weshalb unterstützt du nun zusätzlich die DNUG?

Wir haben in der Schweiz die Herausforderung der drei Sprachregionen und die SNoUG ist deshalb eigentlich nur der deutschsprachige Teil der Schweiz. Es gab mal vor Jahren einen Ableger in der Westschweiz, also französisch sprechend. Das hat aber nicht funktioniert, weil man jemanden brauchte, der das vor Ort und eben in Französisch vorantreibt.

Wir sind ein kleiner Vorstand von fünf Personen und machen das auch alle nebenbei. Früher gab es zwei Events pro Jahr, einmal im Frühjahr und einmal im Herbst. Im Zeitraum des zweiten Events hat die IBM eine eigene Veranstaltung gemacht und da wir nicht innerhalb von vier Wochen zweimal das gleiche Thema machen wollten, gibt es seit Jahren nur noch eine SNoUG Veranstaltung. Diese findet meistens im Frühjahr statt.

Im Prinzip sind wir auch ganz ähnlich organisiert wie die DNUG. Unsere normalerweise jährlichen Events organisieren wir bewusst familiär und mit großer Herzlichkeit. Das kommt auch an, so freut es uns schon sehr, dass wir regelmäßig Teilnehmer*innen und Partner*innen aus Deutschland an unserem Event begrüßen dürfen. Der Unterschied ist aber, dass wir keine externe Unterstützung wie Kira, Michael oder Jan haben. Wir machen wie gesagt alles selber und könnten es uns auch gar nichts anderes leisten; eine SNoUG-Mitgliedschaft ist kostenlos. Wir decken unsere Kosten mit dem Event und haben deshalb auch kein großes Budget, um Externe einzusetzen. Beim Event verlangen wir Eintritt und verlangen einen gewissen Obolus von Ausstellern. Aber das ist eigentlich die einzige Einnahmequelle, die wir haben. Dadurch ist man finanziell sehr viel limitierter.

Warum ich mich in der DNUG engagiere? Ich wollte mal wissen, wie die DNUG funktioniert. Ich bin an zwei/drei Events gewesen und ich sehe schon lange auch eine gewisse Synergie, wie zum Beispiel das Potential des Newsletters. Außerdem finde ich den Ansatz interessant, Deutschland, Österreich und die Schweiz ein wenig enger zusammenzubringen.

Wie vereinbarst Du die Tätigkeiten für die DNUG und SNoUG mit Deinem Daily Business?

Mein Engagement bei der DNUG wie auch bei der SNoUG ist nicht zwingend förderlich für meine Work-Life-Balance, sprich, es gibt schon so manche Stunde, die man am Abend oder auch am Wochenende aufwendet. Das geht natürlich immer mal wieder zu Lasten von Familie und Freizeit, aber wenn es dann überhand nimmt, nordet mich meine Frau schon wieder ein.

Was sind Deine Ziele? Beruflich als auch privat?

Beruflich: Mit CROSS-WORKS sind wir ursprünglich als reine Notes/Domino Partner gestartet. Aus bekannten Gründen mussten wir uns auf die Suche nach einem zweiten Standbein machen und haben für uns das Thema Dokumenten-Management entdeckt. In beiden Bereichen bieten wir heute einerseits skalierbare Services mit Datenhaltung in der Schweiz an, andererseits die Realisierung kundenspezifischer Lösungen auf Basis der entsprechenden Technologien. Alles, was nicht in dieses Raster passt, lassen wir ganz bewusst sein. Auf Basis dieses Setups gilt es nun nachhaltig erfolgreich zu sein.

Privat: Wir wohnen jetzt schon so lange in der Schweiz, haben aber noch jede Menge Ecken, die wir nicht kennen. Die „Kinder“ gehen mittlerweile eigene Wege, weshalb meine Frau und ich vermehrt verlängerte Wochenenden zur weiteren Erkundung der wirklich schönen Schweiz verwenden wollen.

Noch die abschließende Frage: Was müssen unsere DNUG-Mitglieder unbedingt über Dich wissen?

Geduld ist eindeutig nicht meine Stärke (lacht). Ich hätte immer gerne alles sofort, bin dann mitunter nur schwer zufriedenzustellen und verstehe überhaupt nicht, wenn andere weniger Elan entwickeln. Ich lege zudem auch Wert auf Qualität. In der Schweiz würde man dazu „Düpflischisser“ (zu Deutsch: Pedant) sagen, aber ich habe es nun mal gerne genau und exakt…nicht ungefähr… das geht dann mitunter bis ins Detail.

Vielen lieben Dank für Deine inspirierenden und motivierenden Worte, Helmut!

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