Wer ist HCL?

Die Nachricht vom 6. Dezember bringt – mit ein paar Tagen Abstand betrachtet – eine überfällige Entscheidung mit sich. Endlich Klarheit nach der offiziellen Meldung: „HCL Technologies to Acquire Select IBM Software Products for $1.8B“. Der größte Zukauf für ein indisches IT-Unternehmen aller Zeiten. „Es kann nur besser werden“, ist im Workspace der DNUG-Fachgruppen zu lesen.

Gleichsam verdrehen einige deutschsprachige Medien die Narrative dieses Vorgangs. Nicht nur Reuters beurteilt die Akquisition von oben herab: „IBM verkauft Teile von Software-Geschäft nach Indien“. Die Schlagzeilen bei Heise, ZDNet und Computerwoche lauten ähnlich geringschätzig. Auch in unserer Usergroup ist zu lesen: „…und nun: alles verkauft. Nach Indien.“

Das ist wenig respektvoll. In einer proamerikanisch gefärbten Medienöffentlichkeit wird leicht übersehen, dass sich rechtsseitig der Elbe der eurasische Kontinent anschließt, auf dem zwei Drittel der Weltbevölkerung leben. Und zwar nicht mehr zu Zeiten des Schah, von Mao oder Gandhi, sondern heute im 21. Jahrhundert.

Wir stellen vor: CVK

Aus der Perspektive des Käufers zeichnet sich also folgendes Bild. Der Präsident und CEO von HCL Technologies weiß, dass er einen schwierig auszusprechenden Namen besitzt. C Vijayakumar wird daher gern Vijay oder CVK genannt. CVK führt ein Team von 127.000 Mitarbeitern, die in 43 Ländern einen Jahresumsatz von 8 Milliarden US-Dollar erwirtschaften.

Dem indischen Fernsehsender ET Now, welcher CVK herzlich zum Mega-Deal beglückwünscht, erläutert er die Beweggründe: „Der Kauf dieser Produkte bietet HCL Technologies einen strategischen Vorteil. Damit sichern wir uns schon jetzt hochprofitable Einnahmequellen und bekommen Zugang zu einer globalen Kundenbasis. Die Produkte kommen überwiegend bei Großkunden zum Einsatz und versprechen einen Umsatz von 50 Milliarden Dollar. Der Deal hilft uns mit einem Mal 5.000 Kunden zu gewinnen – eine Aufgabe, die sonst zwei Jahrzehnte gedauert hätte.“

Mit HCL dem Jetzt näher

Während linksseitig des Atlantiks die Hype-Themen der Zukunft ins Web integriert werden, kümmert man sich bei HCL ganz in asiatischer Tradition um das Hier und Jetzt. HCL wird dabei die neuen Produkte nicht einfach unter einer anderen Lizenznummer abrechnen. CVK und seine (Ex-IBM) Kollegen wollen diese 5.000 Kunden nach eigener Aussage erneut „gewinnen“, obwohl sie sie bilanziell mit dem Kauf schon gewonnen haben. CVK weiß auch das: Indien verfügt nach den Maßstäben vieler West-Eurasier über keinen Standortvorteil.

Die Roadmap zur Version 10 von Domino hat dabei aufgezeigt, in welche Richtung es geht: Zuhören, Verstehen, Planen, Umsetzen, Prüfen und Repeat. So baut ein Hersteller über gemeinsam abgestimmte Produktverbesserungen neues Vertrauen zu seinen Bestandskunden auf. Die ersten Schritte in die richtige Richtung sind getan. Mit dem HCL-Kauf könnte genau der Neubeginn erfolgen, den sich alle Beteiligten seit Jahren wünschen.

In unserer Nutzervereinigung kann nun jeder für sich entscheiden, aus welcher Perspektive er das Geschehen beobachten möchte. Es bietet sich – nach jahrelangem Ausharren – endlich die neue Chance einem Hersteller-Credo zu folgen und mit guten Lösungen das verloren gegangene Produktvertrauen zurückzugewinnen. Nur darum kann es jetzt gehen. Namasté.