Tom Zeizels Blog: Wer will denn schon Standardsoftware?

Tom Zeizels Blog: Wer will denn schon Standardsoftware?

Wenn nach Jahren die Führungsposition des IT Leiters (Chief Information Officers, CIO) in einem Unternehmen neu besetzt wird, wird sich etwas verändern, so erwartet es das Unternehmen und so vermutet es der Betroffene. Der Volksmund sagt dazu „Neue Besen kehren gut!“ – aber stimmt das eigentlich auch immer?

Ich würde sagen „manchmal, aber keinesfalls immer“. Das Problem ist eng mit der vermeintlichen Erwartungshaltung verknüpft. Der oder die Neue meinen zu oft, dass es nur darauf ankäme scheinbar Altes abzulösen und etwas Neues zu machen – eine Duftnote zu setzen. Dabei scheint manchem fast egal zu sein, was das Neue denn ist, Hauptsache neu. Und dann kommt der zweite Irrtum: Der bisherige CIO hat ja nicht unbedingt alles falsch gemacht. Statt mit einer Bestandsaufnahme des Bestehenden und dessen Qualität und Eignung zu beginnen, wird, weil das ja etwas Zeit in Anspruch nehmen würde, damit begonnen, das zu machen, was alle machen. Man nennt es „Standardsoftware“. Das kann ja nicht falsch sein – oder vielleicht doch?

Schauen wir uns mal zwei interessante, aktuelle Beispiele an:

  • Eines der führenden, deutschen Ingenieurbüros setzt ganz klassisch fast alle Prozesse im Unternehmen und im Austausch mit Geschäftspartnern auf HCL Domino – wie es heute heißt. Plötzlich kommt ein neuer Finanzvorstand und möchte Dinge anders machen: „Warum setzen wir denn nicht auf ‚Standardsoftware‘?“ Der IT-Leiter ließ daraufhin Angebote kommen, rechnete fleißig und kam zu einem überraschenden Ergebnis: Mit „Standardsoftware“ würde die IT um einen Faktor 15 – also nicht 15 Prozent, sondern 15-mal so teuer werden. Das Thema war vom Tisch.
  • Ein produzierender Mittelständler im Schwäbischen, in seiner Branche weltweit Marktführer, bekam auch einen neuen Finanzchef. Auch dem fiel auf, dass man ja Domino-Anwendungen hätte. Er stellte die Frage, ob man die nicht durch SAP ersetzen könne. Daraufhin setzten sich beide Fraktionen im Haus zu einem zweitägigen Workshop zusammen. Das Ergebnis war überraschend. Der SAP Teamleiter fasste den Workshop in etwa so zusammen: „Ich wusste ja gar nicht, dass wir eine so flexible und kostengünstige Lösung für Anwendungen im Haus haben. Wir sollten mehr damit machen!“ Er meint Domino. Auch hier ist das Thema vom Tisch.

„Was alle machen“ war in den 1990ern mal Lotus Notes, wie es damals hieß, und ist heute Microsoft, genau gesagt Microsoft Office 365, manchmal gepaart mit SAP oder Salesforce. Jeder glaubt mit einer Entscheidung dafür auf eine sichere Nummer zu setzen und seiner Karriere damit einen positiven Schub zu geben. Themen, die etwas Kreativität erfordern, wie „Differenzierung“ vom Wettbewerb, also Dinge anders machen als die Marktbegleiter, oder „Unabhängigkeit wahren“, also nicht in totale Abhängigkeit geraten von einem Quasi-Monopolisten, sind im Moment genauso wenig en vogue wie „Best of Breed“, also das Auswählen der besten Lösungen am Markt.

Wenn die aktuelle Meldung nicht falsch ist – ich kann das im Moment nicht ganz sicher sagen – dann ist es wieder einmal Elon Musk, der der Industrie den nächsten Trend aufzeigt: Wer will denn schon Standard? Differenzieren, weg von Standardsoftware. Angeblich wird Tesla Salesforce als CRM Software durch eine Eigenlösung ersetzen. Ob diese auf HCL Domino aufsetzt, weiß ich nicht. Immerhin könnte es so sein und wäre keine schlechte Wahl. Und ich kann Elon Musk verstehen, denn Standardlösungen sind nämlich keinesfalls günstig und schon der Begriff ist weitgehend irreführend. Eigentlich weiß jeder, zumindest jeder erfahrene Fachmann, dass es bei dieser „Standardsoftware“ keinesfalls so ist, dass man sie installiert und fertig, was das Teilwort „Standard“ irgendwie suggeriert. Es folgen nämlich die kostentreibenden Anpassungsprojekte („Customization“), die teurer sein können als es gleich à la Musk selber zu machen. Denn Software-Eigenentwicklung ist heute viel effizienter als vor Jahren – auch und gerade mit HCL Domino. Damit liegt Musk als Trendsetter vermutlich einmal mehr richtig.

Standardsoftware und die Falle der Abhängigkeit

Neben den CRM und ERP Standardsoftware-Lösungen ist es heute Microsoft, die weitläufig als Standard für Collaboration-Lösungen gelten. Aber auch das hat Tücken. Wie man nach einer entsprechenden Entscheidung schnell merkt: Microsoft ist wie schwanger – ein bisschen geht nicht. Schon die Lizenzmodelle erlauben scheinbar nur ein „ganz oder gar nicht“. Zumindest erklären einem die Vertriebler das so.

Wenn man genau schaut, geht auch weiterhin „ein bisschen“, etwa beschränkt auf die Office Editoren. Aber auch mit denen ist man dann ganz schnell in der Microsoft Cloud. Und wenn man da nicht mit größter Sorgfalt pro Arbeitsplatz (!) darauf achtet, dass alle möglichen sogenannten Helferautomatismen abgeschaltet werden, marschieren die Daten in unkontrollierbare Richtungen, in der Regel westwärts, über den Atlantik. Das muss einen nicht stören, kann aber. Schon beim Windows 10 Betriebssystem und Office 365 lässt sich das intransparente Weiterleiten von irgendwelchen Daten nur schwer oder nicht wirklich beherrschen, so eine Studie des holländischen Justizministeriums.

Und es ist nicht so einfach sich dem zu widersetzen. Christian Ude, ehemaliger Münchner Bürgermeister, erklärt in einem aktuellen Interview („Von Microsoft zu Linux und zurück: Es gab bei Limux keine unlösbaren Probleme“), wie stark er von dem mehr oder weniger Monopolisten unter Druck gesetzt wurde und wie wichtig einem die Unabhängigkeit sein sollte, die in München nach ihm nicht wegen technischer Gründe, sondern rein auf politischen Druck aufgegeben wurde. Quasi-monopolistische Marktmacht?

Produktseitig kocht Microsoft auch nur mit Wasser

Wenn es denn wirklich gut wäre, könnte man ja kaum etwas sagen. Ist die „Standardsoftware“ Office 365 denn wirklich so viel besser als alles andere am Markt, sodass man freiwillig ein Mehrfaches dafür zahlt? Ich hatte persönlich in den letzten Wochen die Möglichkeit Office 365 ausführlich zu testen. Und? Ja, man kann grundsätzlich damit arbeiten. Ist es besser als die Alternativen am Markt? Es hat seine Stärken – etwa die Telefonie-Integration – aber auch seine Schwächen, und davon nicht zu wenige. Beispiel: Beim eigentlichen Telefonieren mit Video ist man dann qualitativ doch auffällig weit weg von technischen Marktführern, sodass man sich schnell angewöhnt doch wieder ohne Video zu telefonieren. Damit marginalisiert sich der Wert der Integration. „Best of Breed“ nett und offen integriert wäre eindeutig besser, weil wirklich nutzbar.

Das größte Problem in dieser angeblich so schönen Welt ist aber etwas anderes. Die zahlreichen Tools sind über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte entstanden und irgendwann mal mehr oder weniger integriert worden. Der Produktname „Office 365“ suggeriert eine Einheit. Die gibt es aber gar nicht. Das Ganze wirkt wie ein Drahtverhau. Beispiel: Legt man in MS Teams eine Datei ab, so wird sie eigentlich in OneDrive abgelegt – aber nicht wirklich. Denn dahinter ist SharePoint, wo die Datei dann physisch liegt. Klappt das durchgängig mit den Berechtigungen? Sagen wir mal „manchmal“. Kriegt man dann in Outlook den Hinweis, dass da eine Datei für einen in Teams wäre, dann kann es sein, dass der Link zu einem „kein Zugriff“ führt. Geht man direkt in Teams, dann geht es doch – vielleicht. Das ist schon mindestens obskur und keinesfalls produktivitätsfördernd.

Richtig spannend wird es aber, wenn man etwas wiederfinden möchte. Die Suche ist oftmals nur auf kleine Bereiche eingeschränkt – ohne dass man an den jeweiligen Stellen erkennen kann, wo denn wirklich gesucht wird. Hier kann man sehr viel Zeit versenken und die Wahrscheinlichkeit, dass man im Gestrüpp von zahlreichen überlappenden Tools und Berechtigungsstrukturen etwas wiederfindet, ist klein, sehr klein. Das ist in Summe alles andere als ein produktiver Arbeitsplatz der Zukunft. Aber Microsoft kocht eben auch nur mit Wasser und historische Softwarebausteine mit modernen zu verschmelzen ist komplex. Dafür ist deren Lösung teuer und man begibt sich in eine in seinen Auswirkungen unübersehbare Abhängigkeit. Das muss auch heute nicht sein.

Collaboration mit HCL als neuem Anbieter

Toolsseitig ist die Klarheit und Transparenz eines Büroarbeitsplatzes auf Basis von den ehemaligen IBM Collaboration-Lösungen da nahezu erfrischend. Das unwidersprochene Problem war hier in den letzten Jahren, dass IBM zu wenig in die Weiterentwicklung investiert hatte und den technischen Vorsprung vor dem Marktbegleiter aus Redmond verspielt hatte. Aber hier gibt es jetzt mit HCL als neuen Besitzer dieser Lösungen ein neues Spiel!

HCL investiert sehr intensiv in das Aufholrennen und wird mit den im Dezember kommenden Releases von Domino, Sametime und Connections wieder mindestens gleichziehen. Microsoft hat als Quasi-Monopolist diesen Erneuerungsdruck einer Software, die etwas in die Defensive geraten ist, nicht und wird schon allein deshalb nur in kleineren Schritten Verbesserungen bringen. HCL dagegen hat diesen Druck und investiert entsprechend in eine Neuausrichtung zum Nutzen der Kundschaft.

HCL setzt dabei zielgerichtet auf die Entscheider, die wissen was sie tun und nicht einfach den anderen Folgen, sondern wirklich Karriere machen wollen und sich differenzieren:

  • Kostenseitig, auch langfristig
  • Die Produktivität des größten Kostenfaktors – der Mitarbeiterschaft – im Auge haltend
  • Best-of-Breed-Ansätze verfolgend – statt „geht gerade so oder auch nicht“
  • Eine Unabhängigkeit wahrend – was deutlich bessere Einkaufsbedingungen ermöglicht, weil man nicht erpressbar wird
  • Nutzung flexibler Anwendungsentwicklung von low Code bis pro(fessional) Code
  • Modernste Arbeitsoberflächen auf Basis aktueller, browser-orientierter Technologien auf allen Plattformen, von Smartphone bis Desktop
  • Günstige und einfach nutzbare Bereitstellung in Containern – lauffähig on prem (= im eigenen Rechenzentrum) oder in einer (fast) beliebigen Cloud
  • Datensicherheit und Datenschutz besonders hoch wertend und definitiv nicht mitlesend

Mein Tipp an neu berufene C-Level Entscheider ist ganz klar immer erst einmal eine Bestandsaufnahme machen, was man im Einsatz hat, vergleichen, was das mit Standardsoftware inklusive Anpassungen kosten würde (Achtung, hier wird auf Beraterebene viel gelogen!) und was dagegen Best-of-Breed und Eigenentwicklungen kosten würden.

Ich freue mich das gern mit Ihnen im persönlichen Gespräch zu vertiefen.

Ihr
Tom Zeizel
Associate Vice President & Head of HCL Software in D-A-CH

Tags:Wer will Standardsoftware?

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