Tom Zeizels Blog: Universität Koblenz-Landau – Zentrum der Forschung über Zusammenarbeit in der Zukunft

Tom Zeizels Blog: Universität Koblenz-Landau – Zentrum der Forschung über Zusammenarbeit in der Zukunft

Tools-gestützte Zusammenarbeit – oft einfach englisch „Collaboration“ genannt – ist etwas, dass sich fortlaufend weiterentwickelt und im Sinne fortlaufender Verbesserung auch entwickeln muss. IBM hatte deshalb vor 10 Jahren begonnen, was nun von HCL Technologies fortgesetzt wird: Eine enge Zusammenarbeit mit dem Bereich Wirtschaftsinformatik an der Universität Koblenz-Landau zur Grundlagenforschung zum Digitalen Arbeitsplatz. Die Universität ihrerseits legt dabei sehr viel Wert auf Praxisnähe und hat deshalb hierzu den Industriearbeitskreis „IndustryConnect“ ins Leben gerufen, an dem sich derweil über 30 Unternehmen aktiv beteiligen. Diese Partnerschaft erweist sich für alle Beteiligten als sehr fruchtbar und hat immer wieder neue Erkenntnisse geliefert, um die es mir in meinem heutigen Blog vorrangig geht.

Die gemeinsamen Ziele dieses praxisorientierten Forschungsaustauschs sind

  • Forschung zu Problemen und Phänomenen rund um die Adaption von Kollaborationsplattformen, speziell die Kommunikation, Koordination und den aktiven Informationsaustausch unter den Mitarbeitenden
  • Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen den Teilnehmern an der Initiative und
  • Entwicklung eines Verständnisses über den komplexen, sozio-technischen Wandel, den die Einführung von Kollaborationsplattformen und dem daraus entstehenden Digitalen Arbeitsplatz mit sich bringt.

Die sich aktiv beteiligenden Unternehmen verpflichten sich mit ihrer Mitgliedschaft zu einer koordinierten, kooperativen Forschungstätigkeit. Während für die Unternehmen Erfahrungsaustausch besonders wichtig ist, steht für die Forscher neben den Einblicken in die gelebte Praxis insbesondere auch das Sammeln von empirischen Daten im Vordergrund, die für Analysen zur Verprobung der erstellten Theorien benötigt werden. Neue Mitglieder können nur auf Einladung und nach Absprache mit den bestehenden Mitgliedern aufgenommen werden, dabei sind Softwareanbieter und IT-Berater ausdrücklich ausgeschlossen.

Aktuell befasst man sich mit einer Reihe von Interessanten Themen. Das sind u.a.:

  • Social Collaboration Analytics: Analyse und Visualisierung der kollaborativen Aktivitäten in HCL Connections
  • Content Dashboard: Analyse und Visualisierung der Social (Business) Documents
  • Ontologien und Knowledge Graphs für Geschäftsobjekte in heterogenen Informationssystemen
  • Social Process Mining: Muster in kollaborativen Prozessen in HCL Connections
  • Nutzen durch Nutzung: Kennzahlen für Erfolgsmessung in Kollaborationssystemen
  • Collaboration und IoT: Wie Dinge eine Stimme in Kollaborationssysteme erhalten

IndustryConnect ist eingebunden in das University Competence Center for Collaboration Technologies (UCT), das wiederum die Einbettung in den wissenschaftlichen Kontext sicherstellt und über das auch die Finanzierung der wissenschaftlich Mitarbeitenden durch sogenannte Drittmittel im Wesentlichen erfolgt. Im UCT arbeiten mehr als 30 Universitäten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen und nutzen dafür u.a. die vom UCT bereitgestellte HCL Connections Plattform „UniConnect“. Dabei ist auch die Universität Ilmenau, auf deren Aktivitäten ich demnächst einmal intensiver eingehen werde.

Der Verlauf der Forschungen

Für die Forschung war es zunächst notwendig eine gemeinsame Begriffswelt zu schaffen. Dazu wurden über die Jahre mehrere Rahmenwerke definiert, u.a. zuletzt das Social Collaboration Analytics Framework (SCA). Genauso wichtig ist aber auch die stetig wachsende Wissensbasis, die auf der UniConnect Plattform angelegt ist und die mit Materialien aus den gemeinsamen Aktivitäten gespeist wird. Dazu gehören Präsentationen und Diskussionen aus den Workshops, Fokusgruppen, Kreativitätstechniken, Fragebögen, und Aufzeichnungen aus den physischen Treffen.

Die Arbeit in IndustryConnect orientiert sich an einer schrittweisen, sich zyklisch wiederholenden Aktionsforschung, die aus Planung, Implementation, Beobachtung, Reflexion, Theoretisierung und Handlung besteht, wobei die Primärdatenerhebungsmethoden fortlaufend der dynamischen Entwicklung des Digitalen Arbeitsplatzes angepasst werden. Die Workshops finden zweimal im Jahr statt. (Der nächste, zum 5-jährigen Jubiläum von IndustryConnect, wird Anfang April 2020 stattfinden. Wer schon einmal reinschnuppern möchte, kann das Programm in Kürze auf der IndustryConnect Website finden.) In den Workshops ist methodisch sichergestellt, dass alle Beteiligten einen Redeanteil haben. Daneben gibt es noch Fokusgruppen und spezielle Fallstudien.

Bisherige Ergebnisse

Es gibt eine ganze Reihe von Ergebnissen, von denen hier exemplarisch nur drei genannt werden sollen:

  • Theoriebildung (Digital Workplace Designs, einem empirischen Befund über den heutigen Einsatz von Kollaborationsplattformen)
  • Ein Rahmenwerk/Methode zur Beschreibung und Visualisierung der Wirkungsmechanismen des sozio-technischen Wandels (MoBeC)
  • Eine Software-Anwendung für die Visualisierung von sozialen Dokumenten basierend auf einer im Rahmen von IndustryConnect entwickelten Ontologie (SocDOnt).

Im Rahmen der Arbeit für die Software-Anwendung hat man mit erheblichem Aufwand ein Data Warehouse angelegt, das mithilfe der entwickelten Ontologie heute in der Lage ist, allein an der Abfolge von Aktivitäten, also wer macht wann was und wie wird interagiert, auf den Inhaltstyp zu schließen. Hier kann klar unterschieden werden, ob es z.B. um das Managen eines Events, um ein Projekt oder nur Informationen geht. Eine solche Analyse unterscheidet sich erheblich von existierenden, kommerziellen Produkten, deren Fokus eher auf Nutzungsdaten abhebt, als auf ein Quasi-Verständnis von Inhalten.

Aktuell wird das Forschungsgebiet um das anspruchsvolle Thema „Knowledge Graph“ erweitert. Hierbei geht es darum zu verstehen, was wo abgelegt ist und was die Nutzer vermutlich sehen wollen, etwa bei einer Suche. Hierbei hilft die geleistete Arbeit am Konzept des Social Network of Business Objects (SoNBO), das auf eine Informationsintegration in Unternehmen abzielt, indem Unternehmensdaten wie soziale Objekte betrachtet und in Bezug gesetzt werden. Auf der Basis kann man dann Unternehmensobjekte, z.B. Verträge, aber auch alle anderen Arten von Informationen so miteinander in Verbindung bringen, wie es bisher bei Sozialen Netzwerken nur mit Personen gemacht wurde.

Das, was hier an den zwei Lehrstühlen von Prof. Petra Schubert und Prof. Susan Williams an der Universität Koblenz-Landau passiert, finde ich nicht nur enorm spannend, sondern auch äußerst wichtig für die Weiterentwicklung moderne Lösungen zu Digitalen Arbeitsplatz. Insofern achte ich zusammen mit Andre Hagemeier, unserem verantwortlichen Leiter der Entwicklung von HCL Connections, fortlaufend auf die neuen Ergebnisse und deren potenziellen Einfluss auf unsere Produkte. Auch wenn die Forschung völlig unabhängig von uns ist und nicht in die Produktentwicklung direkt eingebunden ist, so gibt sie uns doch immer wieder wichtige Impulse.

Ihr
Tom Zeizel
Associate Vice President & Head of HCL Software in D-A-CH

Tags:IndustryConnect

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