Tom Zeizels Blog: Sind wir auf dem Weg zu reaktionären Formen – auch in der Zusammenarbeit?

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Wer glaubt, dass die gesellschaftliche Entwicklung immer nur vorangeht, der irrt scheinbar. Wer hätte nach Jahren der Hippie-Zeit, in der sich junge Leute Blümchen in die Haare steckten, erwartet, dass es wieder zu einer – wie im Moment fast überall fühlbaren – Verrohung in der Gesellschaft kommen kann, in der auch Populismus in allen Facetten wieder verfängt und der Ellenbogendanken irgendwie tiefer verwurzelt zu sein scheint als ein konstruktiv-friedliches Miteinander.

Wenn auch auf viel kleinerem Niveau als die große Gesellschaftsebene und damit definitiv nicht wirklich vergleichbar, so gibt es auch in der Art und Weise wie wir zusammenarbeiten Tendenzen, die sich in eine ähnliche Richtung reaktionär entwickeln.  Man kann hierbei keine Einzelperson, Leitfigur oder einen einzelnen Hersteller ausmachen, der das vorantreibt. Stattdessen scheint es sich einfach so zu entwickeln. Fortschritte, die in den letzten 20 Jahren erzielt wurden, werden plötzlich einfach wieder „vergessen“. Es scheint einigen Menschen – und dabei auch Entscheidern – völlig egal zu sein, wie effektiv Zusammenarbeit in ihren Organisationen abläuft. Der auf das Minimum simplifizierte Ansatz „Zur Zusammenarbeit reicht ein Telefon und E-Mail mit Anhängen“ gewinnt plötzlich wieder in erschreckender Weise Oberhand. Dabei ist es völlig egal, ob man die E-Mail nun mit einem technisch hochleistungsfähigen Smartphone oder mit einem uralten Desktop versendet. Wurden die Anhänge früher in schwierig und nur restriktiv zu handhabbaren Gruppenlaufwerken gespeichert, so sind diese heute teilweise durch Cloudlösungen ersetzt, die zwar leichter aufzusetzen, in ihrem Lösungsumfang aber vergleichbar restriktiv sind: Nur wer explizit zugelassen ist und die Webadresse (URL) kennt, bekommt Zugang. 

Das ganze Prinzip des – je nach Sicherheitsanforderungen – mehr oder weniger offenen Teilens („Sharing“) ist in einem solchen Szenario schon wieder vergessen. Stattdessen wird wieder explizit zugeteilt: Top-down statt Netzwerk. Was man so ausschließt ist 

  • Jegliche Suchen werden wieder – wie früher – viel länger dauern, denn man benötig deutlich mehr Zeit an Informationen ranzukommen, die nicht explizit mit einem geteilt wurden, bzw. dessen Link man vergessen/verlegt hat.
  • jegliches, zufälliges Finden, also das, was Wissensmanagement-Experten im positiven Sinne die Möglichkeit „Wissensunfällen“ zu provozieren, nennen, geht verloren. Damit wird Doppelarbeit, also das nochmals Erfinden/Entwickeln, offenkundig wieder hoffähig.
  • jegliches viral-Gehen von Informationen im Unternehmen wird wieder weitgehend ausgeschlossen, bzw. auf verbale Kommunikation in Kaffeeecken begrenzt.

Was man letztlich damit erreicht, ist dass sich das alte Prinzip „Wissen ist Macht“, oft unter dem Deckmantel angeblicher Security-Anforderungen, wieder dramatisch ausbreitet und letztlich zum Produktivitätskiller wird. Denn Prozesse und Entscheidungsfindungen dauern einfach wesentlich länger und sind damit auch viel teurer, als es in einer modernen Netzwerkorganisation möglich ist.

Als eine Ursache nehme ich wahr, dass u.a. die Universitäten und Forschungseinrichtungen hier den Fokus verloren haben und selbst wieder mehr arbeiten, wie vor über 20 Jahren, mit am Markt durchaus sehr präsenten Werkzeugen, die vernetztes, modernes Arbeiten leider gar nicht erst ermöglichen. Und das Prinzip „Was man nicht kennt, nutzt man nicht“ pflanzt sich dann fort bis in die Unternehmen, in denen die Studenten später einmal arbeiten. Das bedeutet Rückschritt statt Fortschritt – nicht gut für unsere Industrie und öffentliche Verwaltungen.

Auf der 46. DNUG 2019 (3.-5.Juni in Essen) werden vier Unternehmensvertreter in einer Keynote exemplarisch vorstellen, wie sich ihre Organisation hierzu aufstellen und welche Erfahrungen sie gemacht haben. Das sind

  • Christopher David James Butterfield von ISTA
  • Rainer Gimbel von Evonik Industries
  • Stefanie Holst von der Lapp Group
  • und Jörg Rafflenbeul von Heitkamp & Thumann (als Moderator)

Nach deren Keynote zu Beginn des letzten Konferenztags (5.6.) wird es eine zusätzliche, vertiefende Session von den Vier dazu geben, wobei sich die Keynote nicht an das „Hart aber fair“ Modell anlehnt, aber unter dem Motto „Clever & Smart“ ein paar der Format-Ideen übernimmt, sodass es auch schon von der Form her spannend werden wird. Versprochen!

Für mich ist der Vortag der Konferenz (3.6.) mit HCL Digital Solutions unter dem Motto „Your next best friend“ ein „DA MUSS MAN SEIN!“, genauso wie am ersten Tag (4.6.) die Keynotes zu den Collaboration Produkten und eben am Abschlusstag diese Doppelsession zu den Erfahrungen und Aussichten der Zusammenarbeit in der Zukunft mit so erfahrenen Experten mit durchaus unterschiedlichen Sichtweisen. (Alles zur Konferenz (Agenda, Anmeldung, usw.) stand in meinem Blog von der letzten Woche.)

Ich hoffe, dass wir uns in Essen sehen! 

Tom Zeizel
Business Unit Executive IBM Watson Collaboration, D-A-CH

(PS: Sowohl ich, als auch unser und das HCL Management Team, treffen uns dort auch gern mit ihnen zum Einzelgespräch. Bitte mit einer formlosen Mail an schu@de.ibm.com anmelden) 

Tags:DNUG-Keynote

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