Tom Zeizels Blog: HCL Sametime – das bessere MS Teams?

Tom Zeizels Blog: HCL Sametime – das bessere MS Teams?

Der Markt um den Arbeitsplatz der Zukunft ist in Bewegung. Persistente Gruppenchat-Lösungen à la Slack und MS Teams werden als Wunderlösungen gepriesen. Sie haben ihre Bedeutung, aber Wunder sind nicht zu erwarten.

Und dann wäre da noch das neue HCL Sametime V11. Was kann es?

Die Möglichkeiten persistenter Team-Kommunikation

Mit Slack begann vor einigen Jahren ein neuer Trend in der elektronischen Zusammenarbeit in Unternehmen und parallel dazu in WhatsApp im privaten Sektor. So genannte „persistente“, also in einem Stream stehenbleibende Chat-Nachrichten sind das neue Werkzeug, egal ob in der direkten 1:1 Kommunikation oder auch in Gruppen von Personen ist. Das neue dabei war, dass man das auf einem Gerät beginnen kann und auf beliebigen, anderen Geräten auch jederzeit fortsetzen kann – die Persistenz wird auf dem Server gemacht. Konnte man anfänglich oft nur Bilder anhängen, so können es heute auch alle möglichen Formen von Dateien sein.

Mit solchen Tools zu arbeiten ist gegenüber eMail in vielen Situationen in der Tat eine Vereinfachung, insbesondere, wenn es um schnelle, oftmals spontane Kommunikation geht. Ich erlebe, dass sich zu Beginn der Nutzung eine wahre Euphorie hierzu ausbreitet. Diese weicht allerdings relativ schnell einer Normalität, in der man die Grenzen eines solchen Werkzeugs bemerkt: Werden die Personengruppen größer und insbesondere die Zahl der parallelen Gruppenchats, dann wird es zusehend unübersichtlich. Hat man anfänglich das Bestreben jeden Post von jedem zu lesen, kommt man sehr schnell an Grenzen – es ist dann einfach nicht mehr möglich alles zu lesen. Damit schwindet der große Vorteil des anfänglichen Gefühls, über solche Tools besser informiert zu sein. Auch für die Absender ist schnell nicht mehr klar, wen man tatsächlich noch erreicht, selbst dann, wenn man in eine klar umrissene Gruppe schreibt. Das Dumme ist, dass man in Unternehmen, die mehr als etwa 50 Mitarbeiter haben, eben sehr schnell an diese Grenze kommt.

Damit ist eines klar: Auch persistente Chat Tools sind nur ein Baustein eines modernen Arbeitsplatzes, aber nicht das alleinig selig machende. Microsoft hat mit seinem „Teams“ genannten Produkt hier gerade einen Achtungserfolg und glaubt man bestimmten Analysten, dann plant man den zukünftigen Arbeitsplatz noch viel mehr um MS Teams herum zu bauen. Das wäre eine Katastrophe, denn damit wäre eine Chaotisierung der Zusammenarbeit, ohne die reale Möglichkeit auch ältere Dinge mit überschaubarem Aufwand wiederzufinden, vorgegeben. Meiner Meinung nach sind solche Tools wirklich eine sinnvolle Ergänzung im Bereich ihrer Kernfunktionalität (schnelle ad-hoc-Kommunikation mit einer begrenzten Journal-Funktion für frühere Einträge). Sie können so aber weder eMail noch Social Collaboration Tools, wie etwa HCL Connections, ablösen, denn die haben andere Schwerpunkte und Ausprägungen, die letztlich nur alle zusammen einen wirklich guten Arbeitsplatz definieren.

Was offeriert HCL für persistente Zusammenarbeit in Teams?

HCL Sametime V11 Web-Client

Ende der 1990er hatte IBM Lotus zwei Lösungen gekauft, um daraus ein neues Tool zu machen: „Sametime“ für Chat und Webmeetings. Sametime hatte in all den Jahren bei der IBM eine Geschichte mit zahlreichen Ups- und Downs erlebt und war insbesondere in den letzten Jahren in eine nicht sehr glückliche Richtung gegangen. Rahmenbedingungen in der IBM hatten es erzwungen, dass auch für Sametime WebSphere und Db2 zum Einsatz kommen mussten, was die Installation nicht gerade einfacher machte und parallel auch in die Weiterentwicklung eine Komplexität brachte, die dem Produkt nicht half.

Wie in Vielem hat durch die Übernahme durch HCL auch für Sametime eine neue Zeit begonnen. So ist das in der nächsten Woche, am 20. Dezember, verfügbar werdende Sametime V11 weitgehend eine Neuentwicklung, die weder WebSphere noch Db2  oder eine System-Konsole benötigt und auch keine 2 Wochen Installationszeit mehr – die misst sich jetzt eher in Minuten als in Tagen. So ist zum Beispiel der Code für den Sametime Proxy Server von 10,8 GB auf 100 MB geschrumpft worden. Der neue Web-Client ist in aktueller Technologie in JavaScript mit React geschrieben. Damit ist er nicht nur schick und schnell, sondern auch vorbereitet für die zukünftige Thin Client Browser Strategie von HCL, die Verse für Mail, Nomad für Apps und Sametime für Chat mittels WebAssemby und PWA (Progressive Web App) kombinieren wird – und schon im nächsten Jahr, also 2020, kommen wird.

Sametime V11 ist die Antwort von HCL auf den aktuellen Trend zu persistenten Chat Lösungen, quasi das unabhängige „Teams“ vom freien Markt. Auch wenn Sametime V11 im Moment noch nicht alle Funktionen bietet wie die anderen, so hat HCL das Aufholrennen vielversprechend gestartet. Und Sametime V11 hat Alleinstellungsmerkmale:

  • HCL Sametime ist eine Lösung, die auch strategisch für das eigenen Rechenzentrum („on Premises“) angeboten wird (!), aber dank Docker-Implementierung auch in beliebigen Clouds läuft. Das dürfte für alle Organisationen mit höheren Sicherheitsanforderungen, wie dem Öffentlichen Dienst, weiterhin von besonderer Bedeutung sein.
  • HCL Sametime ist offen für die Integration beliebiger, vorhandener Web-Conferencing-Lösungen. Das entspricht den Marktanforderungen, dass viele Unternehmen in Zusammenarbeit mit Partnern heute unterschiedliche Lösungen nutzen müssen.
  • Die Zeiten von technisch schwierigen Browser-Plug-ins für Web-Conferencing sind vorbei. Trotzdem unterscheiden sich die Lösungen in der Qualität ihrer Codecs. So ist es weiterhin eine Herausforderung auch bei mäßiger Bandbreite eines Anschlusses Ton und Bild gleichzeitig zu übertragen. Gute Codecs geben dem Ton den Vorrang, schlechte unterbrechen beides häufiger. Deshalb ist eine Lösung im Rahmen eines großen Office Pakets nicht immer wirklich brauchbar. Ein best-of-Breed Ansatz ist in diesem Bereich nahe an technischen Grenzen klar vorzuziehen.

Im Sinne des Aufholrennens investiert HCL auch in dieses Thema stark und wird nicht erst mit V12 im nächsten Jahr wieder liefern, sondern schneller, schon vorher. So werden im Laufe des ersten Halbjahres eine Reihe von Erweiterungen für Sametime V11 kommen. Dazu gehört auch eine eigene Web-Conferencing-Lösung auf Basis des offenen WebRTC Standards für Web-Kommunikation – im Rahmen einer Partnerschaft mit der viel gelobten Open Source Lösung Jitsi.

Sametime ist wieder da! Nicht SomeTimes (wie es manchmal spöttelnd hieß), sondern HCL Sametime – neu und gut! Und das freut mich sehr.

Ihr
Tom Zeizel
Associate Vice President & Head of HCL Software in D-A-CH

Tags:Sametime V11 - die Alternative zu Teams?

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