Tom Zeizels Blog: Der Arbeitsplatz der Zukunft

Tom Zeizels Blog: Der Arbeitsplatz der Zukunft.

Ich bin sehr viel unterwegs bei Kunden und Partnern und wundere mich immer wieder, dass man sich nur in den wenigsten Unternehmen wirklich ernsthaft Gedanken macht, wie das Unternehmen von der Digitalsierung profitieren könnte oder auch nur, wie man Arbeitsabläufe optimieren könnte. Es scheint mir einerseits der fehlende Druck zur Veränderung, der die meisten erfolgreichen Unternehmen auszeichnet und irgendwann lähmt, und andererseits eine Art „Trägheit der Masse“ – anders gesagt: „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Oder noch schlimmer: „Alle anderen machen das auch so.“ Wie, bitte, will man sich dann zukünftig vom Wettbewerb unterscheiden?

Stellen Sie sich vor, Sie sind Chef eines Architektenbüros. Da koordinieren Sie diverse Unternehmen, die an dem Bau beteiligt sind. Wie geht das heute? Per Fax, SMS, E-Mail? Oft ja. Ist das zeitgemäß und produktiv? Nicht wirklich. Wir haben innovative Kunden, die ihr Geschäftsmodell so erweitert haben, dass sie für die Dauer des Projekts eine virtuelle Collaboration Cloud auf Basis u.a. der IBM Connections Cloud für ihre Projektpartner bereitstellen – ohne Medienbrüche, konsistent und immer aktuell für alle Beteiligten. Und die Kosten tragen alle gemeinsam. Das ist praktische Digitalisierung!

Das heißt aber für die Mitarbeiter auch, dass SMS nicht mehr das Maß aller Dinge ist, sondern eher eine Collaboration-Plattform, in der die Dokumente im Office Format, aber auch Bauzeichnungen, usw. zugänglich sind – eben alles, was zu dem Gesamtprojekt gehört und was die einzelnen Partner jeweils sehen dürfen und sollen. Das ist für die Mitarbeiter sicher zunächst eine Umstellung. Die aber letztlich schnell akzeptiert wird, weil die Vorteile des nicht mehr ewig suchen Müssens auf der Hand liegen.

Es gibt natürlich Prozesse, die im Normalfall immer gleich ablaufen und weitgehend schon optimiert wurden. Auf der anderen Seite gibt es aber auch immer mehr Prozesse, in denen fortlaufend etwas abgestimmt werden muss – sonst gäbe es nicht so viele Telefonate, E-Mails und Besprechungen. Die valide Frage ist, wie man auch solche Abläufe optimiert und dazu die Möglichkeiten der Digitalisierung ausnutzt.

In der Software-Entwicklung gibt es gerade einen großen Trend weg von großen, mächtigen Anwendungen hin zu kleinen Micro-Anwendungen, die in Summe die große ersetzen können, dabei aber flexibler sind. Kann man das auch als Analogie für Abstimm-Prozesse nehmen? Ist es vielleicht sinnvoller viele kleinere Dingen jeweils schnell und kurz, passend in den Rahmen der zeitlichen Erfordernissen abzustimmen, als alles zu sammeln und dann mit Zeitverzögerungen in einer großen Besprechung abzuhandeln?

Letzteres war bisher nötig, da es keine Technologie gab es anders zu machen. Das ist jetzt anders – die Technologie ist da. Fachleute sprechen von „persistent Chat“, Konversationen sowohl einzeln miteinander oder in so genannten Space auch im Team. In einem Space können alle verfolgen, was die anderen bereits abgestimmt haben – wie in einer physischen Besprechung. In größeren Projekten kann das natürlich ausarten und zu einem Informationschaos werden. IBM hat ja mit Watson Workspace auch eine solche Lösung, die sich aber konsequent von den Marktbegleitern dadurch unterscheidet, dass man nicht nur einen Chatkanal á la WhatsApp zur Verfügung stellt, sondern dass man versucht Zusammenarbeiten mit künstlicher Intelligenz besser zu gestalten. So kann sie heute schon die wichtigsten Dinge aus solchen Konversationen extrahieren und schafft somit automatisch Übersichtlichkeit.

Das ist nicht das Ende. Wir arbeiten an so genannten „Lösungsräumen“ für Projektteams. Sie sehen dann nicht nur ihre Konversationen und deren Zusammenfassungen, holen sich Zusatzinformationen teil-automatisch aus anderen Systemen und machen direkt daraus ihre Videokonferenzen zur noch feineren Abstimmung. Und die kognitiven Watson-Funktionen protokollieren und machen Vorschläge, wie ähnliche Probleme schon mal woanders gelöst wurden oder welche Experten helfen könnten. (U.a. hierzu wird es sicherlich auf der IBM Think 2018 Konferenz mehr zu hören und sehen geben).

Ich arbeite jetzt schon seit einigen Monaten so, seitdem für uns intern die Dinge aus dem damaligen Projekt „Toskana“ zum Testen zur Verfügung gestellt wurden. Es war im ersten Moment gewöhnungsbedürftig, erschloss sich dann aber schnell. Gerade für mich, der mit seinem Team relativ viel abstimmen muss, ist es sehr schnell ein wirklicher Beschleuniger geworden, den ich nicht mehr missen möchte. Ja man muss es so sagen: „Watson Workspace ist bei uns viral gegangen“. Das hätte ich, als ich zum ersten Mal davon hörte, nicht erwartet.

So etwas ist ein sehr wichtiges Element eines Arbeitsplatzes der Zukunft. Demnächst in diesem Blog mehr dazu. Schließen möchte ich heute damit, dass man mit seinem Unternehmen eigentlich nur erfolgreich sein kann, wenn man die eigenen Marktbegleiter überholt. Das geht nicht, wenn man exakt die gleichen Tools einsetzt. Denn wer das macht, was alle machen, kann nicht besser sein als sie.

Ihr

Tom Zeizel
Business Unit Executive IBM Collaboration & Talent Solutions D-A-CH