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Working out LOUD !!! Und was wirklich dahinter steckt

Working out LOUD !!! Und was wirklich dahinter steckt
(von Peter Schütt, IBM)

In den sozialen Medien ist in letzter Zeit vermehrt die Rede von „Working out loud“ (WOL) Workshops, die angeblich mit großem Erfolg überall laufen, wie zum Beispiel bei Bosch, BMW, Continental, der Deutschen Bank, Siemens und anderen. Was steckt eigentlich dahinter?

Auf der DNUG Konferenz in Darmstadt wird Sebastian Thielke, der seit 2017 bei der IBM ist und von kleinen Beinen auf ein Verfechter für das Miteinander der Menschen ist, am 21. Juni 2018 in einer Doppelsession eine Einführung mit praktischen Übungen in WOL geben. Er engagiert sich tief für das Thema, weil er neue Formen von Arbeit, Zusammenarbeit und Organisation immer wieder als die Antriebsfeder im Schaffen sieht – auch und gerade beim Umsetzen einer digitalen Strategie.

Die Ursprünge von WOL

Ich kenne John Stepper persönlich schon sehr lange. Er war viele Jahre bei der Deutschen Bank für die Umsetzung ihrer internen Social Business Strategie zuständig, bevor er 2015 sein Buch mit dem genialen Titel „Working out loud“ herausbrachte und sich später selbständig machte. Der Titel weckte bei mir zunächst die Erwartung, dass man – vielleicht nicht wirklich „laut“ (in den meisten Büros ist es wahrlich laut genug) arbeiten solle – sondern, besser übersetzt, „offen arbeiten“, was ich spontan für einen guten Ansatz hielt.

Aber weit gefehlt. Es geht Stepper nur am Rande darum. Stattdessen geht es ihm um Problemlösung. So schlägt er im Kern einen sehr strukturierten, nahezu straff organisierten Prozess vor, den er „Circles“ nennt – Kreise. Und die haben zunächst nichts mit einer generellen Arbeitsweise im Sinne von allgemein offen zu tun. Stattdessen sind sie so etwas wie „Weight Watchers für Wissensarbeiter“, wie ich es einmal in einem Tweet formulierte, den John Stepper prompt mit „Tweet of the Month!“ kommentierte.

Tatsächlich greift er die Kernidee des Weight Watchers Prinzips auf: Wenn man ein Problem hat, hilft es sich mit anderen in strukturierter Weise zusammenzusetzen. Personen, die im Unternehmen ein Problem haben und es mit den normalen Möglichkeiten nicht lösen können, sollten einen Circle mit anderen, die ebenfalls Probleme haben, ins Leben rufen. So ein Circle trifft sich dann mit klarem Ablaufplan in regelmäßigen Treffen über einige Wochen und man versucht sich gegenseitig zu helfen. Wenn man es konsequent durchzieht und ein bisschen Glück bei der Besetzung des Circles hat, werden tatsächlich auch komplexere Probleme gelöst, oder zumindest neue Lösungsansätze entwickelt.

Die weitere Perspektive von WOL

Steppers Idee ist gerade auch in Deutschland auf viel Interesse gestoßen und von zahlreichen Entrepreneuren mit großer Passion aufgegriffen und auch weiterentwickelt worden. Warum ist das so? Die Circles selbst skalieren nur bedingt und sind in ihrer Umsetzung nicht wirklich für jedes Problem geeignet. Nach zahlreichen Gesprächen in letzter Zeit habe ich den Eindruck gewonnen, dass die eigentliche Idee neben der unmittelbaren Lösung von einzelnen Problemen letztlich etwas ganz anderes und viel wichtigeres ist.

Zunächst einen Schritt zurück: Wie arbeiten Menschen zusammen? Indem sie miteinander kommunizieren. Mit wem kommunizieren sie am liebsten und effektivsten? Im Rahmen ihres persönlichen Netzwerks, in dem man sich kennt und vertraut. Wie kommt es zu solchen Netzwerken? Indem man sich irgendwann intensiv kennengelernt hat. Klassisch spielten hier gemeinsame Zeiten in Schule und Ausbildung eine wichtige Rolle, genauso wie die Mitgliedschaft im gleichen Sportverein. Bei IBM gab es u.a deshalb lange – und ich weiß nicht einmal, ob es ihn noch gibt – den „IBM Club“, in dem man sich nach der Arbeit zum gemeinsamen Sport traf. Bei anderen Kollegen war es das gemeinsame Feierabendbier, das die Promillegrenze für Autofahrer aber schon länger ausgelöscht hat. Das hat verbunden.

Arbeit hat sich, wie auch unser Leben und Zusammenleben, aber zunehmend verändert. Die Mobilisierung und Digitalisierung sind, neben vielen positiven Effekten, weitere Schritte sich eher voneinander zu entfernen, auch wenn man letztlich zusammen arbeitet. Für Dinge wie den IBM Club hat man schon lange keine Zeit mehr und die ehemaligen Schulkameraden arbeiten heute an anderen Orten in anderen Unternehmen. Wie kommt man dann heute, in den agilen Zeiten, noch zu persönlichen Netzwerken?

Hier sehe ich das vielleicht Wichtigste an WOL: Man kann es auch als Methode verstehen, den heute viel weniger natürlich stattfindenden Aufbau von persönlichen Netzwerken in Unternehmen zu fördern. Wer einmal ein komplexeres Problem gemeinsam gelöst hat, hat sich in der Regel darüber vertrauensvoll verbunden und so entstehen heute mit der Zeit Netzwerke. So etwas ist natürlich auch durch intensive Zusammenarbeit in Projekten, dort dann als Nebenziel, zu erreichen. Aber da grundsätzlich die Individualzeit zu- und die Sozialzeit und -Intensität bei der Arbeit abgenommen haben, kommt die Vernetzung von selbst nicht mehr so leicht zustande. WOL ist hier ein vielversprechender Ansatz nachzuhelfen. Und Unternehmen, in denen die Mitarbeiter ihre funktionierenden Vertrauensnetzwerke haben, funktionieren nun mal eben viel effizienter. Deshalb lohnt es sich tatsächlich für Unternehmen in WOL zu investieren.

Mehr dazu, wie gesagt, am 21.6. von meinem Kollegen Sebastian Thielke auf der DNUG-Konferenz in Darmstadt.

Sind wir schon in einem Netzwerk? Hmmm, ein bisschen. Vielleicht sollten wir mal einen gemeinsamen Circle starten.

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