Alle Augen schauen auf IBM

Beim DNUG-Workshop: „Next oder NExit? Was die IBM wirklich mit Notes Domino vorhat.“ diskutierten 40 IT-Spezialisten darüber, ob IBM das altbewährte, aber in die Jahre gekommene Notes wirklich abschaffen oder doch weiterentwickeln sollte.

Notes Domino ist nach wie vor eine der besten Plattformen für kostengünstige und flexible Entwicklung von Applikationen. Darüber sind sich alle einig. Auch für mobile Applikationen ist Notes Domino bestens geeignet. Dennoch existiert der Glaube, dass IBM Notes einstellen würde, schon seit fast 20 Jahren und wird immer wieder von anderen Marktteilnehmern angefeuert.

Aber der Reihe nach. Der Workshop begann mit Leidenschaft: Daniel Nashed sprach darüber, warum die Notes immer noch so gut ist. Seine spannende Grundaussage war: Es funktioniert! Dass die Notes-Datenbanken heute so grottig aussehen, liegt eben daran, dass man sich bei den neuen Hauptversionen nie darum kümmern musste. Denn sie laufen einfach. Das war bei Microsoft Office nicht so und zog oft bange Fragen nach sich, ob die Office-Dokumente nach einem Versionsupdate noch funktionieren.

Thomas Bahn von assono fragte die Workshop-Teilnehmer, wohin die Reise wirklich gehen kann. Denn am Markt gibt es nicht DEN Nachfolger für Notes/Domino. Das System ist zu komplex. Man könnte das Mailprogramm durch MS Outlook und Exchange ersetzen. Und dann? Microsoft sagt natürlich sie seien erfahren und begleiten den Wechsel. Aber wie man sieht, ist auch SharePoint ist kein echter Notes-Ersatz. Es gibt kein vergleichbares Produkt am Markt.

Bei den Workshops am Nachmittag galt es rauszufinden, wer noch mit Notes arbeitet, was genau die Kollegen damit tun und ob schon jemand begonnen hat, das System abzulösen. Im Ergebnis unterscheiden sich die Anwendungsszenarien nur im Detail. Bei allen läuft das System vor sich hin, ab und zu werden ein paar neue Ansichten programmiert, aber echte Neuerungen gibt es auf Basis von Notes nicht mehr.

Aber ablösen mag das System auch keiner. Es funktioniert ja. Es war kein Teilnehmer vor Ort, der eine Idee mitbrachte, wie man Notes ablösen kann. Natürlich lassen es alle auch deshalb weiterlaufen, weil es keine Alternative dazu gibt. Dass dies trotzdem keine zufriedenstellende Situation ist, zeigen die nachfolgenden drei „Pain Points“:

  1. Es gibt kaum noch Unternehmen, die Notes-Schnittstellen bauen. Nur die wenigsten neuen Lösungen können daher noch Notes anbinden.
  2. IBM bietet keine Schulungen mehr an. Infolgedessen gibt es auch bei den Bildungspartnern keine Angebote und Programme mehr. Dadurch bekommen wir keinen Nachwuchs mehr – die meisten Entwickler sind schon über 50 und sterben langsam aus.
  3. Die Öffentlichkeitsarbeit vom IBM zum Thema Notes ist nicht vorhanden. Hier und da mal ein Artikel von Dritten auf heise.de – aber vom Hersteller selbst kommt nichts.

Wir werden das jetzige Umfeld noch behalten, weil es billig ist. Denn die Infrastrukturkosten mit MS Exchange steigen nicht selten um den Faktor 4. Und mit den steigenden Kosten erreicht man in etwa das, was jetzt schon vorhanden ist und hat das Thema Hochverfügbarkeit noch nicht gelöst. Also was kommt als nächstes?

IBM hat Notes 10 angekündigt. Alle Augen schauen deshalb jetzt auf Big Blue. Wie sieht Notes 10 aus? Wird funktional etwas Neues dabei sein oder gibt es nur das alte System in neuem Gewand? Denn die letzten echten Änderungen gab es vor über zehn Jahren beim Update auf Notes 8.

Autor: Matthias Weichhold